Reichlich Beef

„Das beste Wagyu-Steak, das ich jemals gegessen habe“. Das Steakhaus „Grill Royal“ schmückte sich auf seiner Internet-Startseite mit lobenden Kunden-Rezensionen, was unsere Erwartungshaltung an dieses Restaurant noch weiter steigen ließ…

Unmittelbar an der Spree gelegen ist es schon mal perfekt für lange Indoor- und Outdoor-Abende gerüstet, zumal es viele Sitzplätze bietet (an Wochenenden dennoch unbedingt reservieren). Das Interieur ist ein Mix aus vielen Bildern & Gemälden, dunklen Holzverkleidungen, einer Einrichtung im Vintage Art Deco-Stil, einer Prise Extravaganz & Kitsch sowie gedämpftem Licht – diese Location passt somit gut zum typischen “Casual Berlin Style“. Besondere Hingucker sind aber vor allem die großen verglasten Kühlzellen an den Wänden, die nicht vornehmlich edle Weine, sondern vor allem die zum Teil exotischen Fleisch-Spezialitäten wie Schmuckstücke präsentieren. Und darum geht es ja hauptsächlich.

Zwar gibt es auch ein paar Vorspeisen und durchaus viele frische Fisch-Spezialitäten (z.B. sündhaft teure Austern & Kaviar sowie „Catch of the Day“ aus der Kühltheke), doch das Steak ist der klare Star auf der Karte – und das in mannigfaltiger Form: Kobe, Entrecôte Pommern (3 Wochen am Knochen gereift), T-Bone Steak, Chateaubriand oder American Porterhouse, um nur einige zu nennen. Diese Selektion mit zum Teil weitgereisten Fleischspezialitäten ist ein deutliches Qualitäts-Statement. Und das hat seinen Preis: So kostet das authentische Kobe Beef Filet je 100 Gramm 105 Euro – ohne Beilagen versteht sich.

Wir entschieden uns für ein klassisches deutsches Rinderfilet mit Sauce Béarnaise, Kartoffelgratin und Blattspinat sowie Karotten mit Kräuterbutter und Kartoffelstampf – und erlebten eine kleine Geschmacksoffenbarung. Das Rinderfilet war vom Biss und Genusserlebnis her lupenrein, was für das erfahrene Küchenpersonal spricht. Aber sowohl die Soße als auch die Beilagen waren handwerklich optimal und geniale Ergänzungen zum Fleisch. Abgerundet wurde die Gaumenfreude durch den edlen Brunello di Montalcino aus dem Hause La Gerla, der wie eine Faust aufs Auge zum edlen Beef passte – in dieser Manier investiert man gerne rund 200 Euro für zwei Personen!

Medium ist nicht gleich medium

Einen faden Beigeschmack gab es aber dennoch: Das deutsche Rinderfilet bestellten wir Medium, bekamen es aber mit blutigem Kern. Auf die Anfrage hin, dass wir doch einen rosa Kern bestellt haben, wurden wir belehrt „Man wüsste doch, dass man Medium plus bestellen muss, damit das Center rosa ist.“ Nun denn… Wir wissen aus eigener Gastro-Erfahrung sehr gut, dass Gäste nicht immer recht haben, aber diese Belehrung war schlicht arrogant – und auch falsch! In der meatery Hamburg haben wir uns über dieses Thema unterhalten und auch dieses edle Steakhaus kann diese Argumentation nicht nachvollziehen.

Es schwebt leider ein wenig blasierte Atmosphäre über diesem Spitzen-Restaurant. Ein durchaus unterhaltsames Beispiel dafür: Am Nachbartisch blickte der Mittfünfziger nicht ein einziges Mal zum Kellner hoch während er bestellte. Die Bestrafung: Er vergaß die Beilagen bei seiner südamerikanischen Frau, die darüber ihren Ärger lautstark kundtat als das „nackte“ Fleisch kam. Karma…

 

Fazit

Ja, das Grill Royal ist verdammt gut und ja, wir werden zum Wiederholungstäter, auch wenn der Stil mancher Kellner (und Gäste) etwas Kinderstube vermissen lässt.

 

Infos

Kategorie: Steak-Haus
Preisniveau 3 – 4
Tipp: Bei Grillgrad des Fleisches den Wunsch genau beschreiben.

 

Location

Grill Royal
Friedrichstraße 105b
10117 Berlin

E-Mail: office@grillroyal.com
Telefon: +49 30 288 79 288

https://www.facebook.com/GrillRoyal
www.grillroyal.com

 

Fotos: Grill Royal, Visimus · Anmerkung: Wir besuchten das Grill Royal im Januar 2016.

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